Stilfser Joch / Passo Stelvio

Das Stilfser Joch (auch Stilfserjoch, ital. Passo dello Stelvio) ist mit 2.757 m s.l.m. der höchste Gebirgspass in Italien und nach dem Col de l’Iseran der zweithöchste asphaltierte Gebirgspass der Alpen. Das Stilfser Joch verbindet Bormio im Veltlin, Lombardei, mit Prad im Vinschgau, Südtirol. Auf der Westseite mündet auf 2.503 m die über den Umbrailpass kommende Straße von Santa Maria ein. Ebenso auf dieser Seite durchfährt man etwas tiefer gelegen mehrere Kurztunnels. An der Ostrampe kann man in Gomagoi auf 1.260 m in das Suldental nach Innersulden abzweigen. Auf 2.188 m liegt auf der Ostseite das Berghotel Franzenshöhe.

Ca. 1,5km westlich der Passhöhe ist die Abzweigung zum Umbrailpass.

Das Stilfser Joch ist durchgängig asphaltiert und in der Regel zwischen Ende Mai und November für den Verkehr geöffnet. Die Westrampe von Bormio wird meist etwas früher für den Verkehr geöffnet. Während dieser kurzen Öffnungszeit herrscht auf dieser Straße starkes Verkehrsaufkommen, vor allem durch Tourismus- und Freizeitfahrten, was den Naturpark stark belastet. So versammeln sich bei dem „Internationalen Treffen“ in der ersten Juliwoche jedes Jahr dort hunderte Motorradfahrer.

Die Straße ist gerade in den Ferienmonaten extrem stark frequentiert und Radfahrer, Motorradfahrer, PKW und auch Wohnmobile bevölkern sie. Zum Teil so dicht, dass man immer wieder stehen bleiben muss.
Ich empfehle eine Fahrt entweder früh am Morgen oder erst am späten Nachmittag. Sonst kann leider oft keine Freude am Fahren aufkommen.
Die Strecke ist vor allem an der Ostseite relativ schmal und die Kehren sind teilweise sehr eng. Ungeübte FahrerInnen werden hier leider immer wieder zum Verkehrshindernis.
Wenn die Straße aber frei ist, dann ist sie eine der schönsten in den Alpen!

ein Teil der Westrampe

Das Gebiet des Stilfser Jochs ist seit 1935 Nationalpark.

Das Stilfser Joch, benannt nach der Ortschaft Stilfs östlich des Passes, gehörte nie zu den überregional bedeutenden Pässen – im Gegenteil, er stand bis zum Bau der Stilfser-Joch-Straße immer im Schatten des Umbrailpasses. Dieser wurde in früheren Zeiten „Wormser Joch“ genannt, nach der Ortschaft Bormio, zu deutsch Worms. Auch das Stilfser Joch nannte man einst „Wormser Steig“. Wenn auch der damalige Passverkehr über das Stilfser Joch sicher nicht rege war, wurde der Pass sicher doch immer wieder begangen. Funde lassen auf eine Nutzung in der Bronzezeit schließen.

enge Tunneldurchfahrten an der Westrampe

Archäologisches Zeugnis für einen Verkehr über das Stilfser Joch scheint eine Kultstätte an den heißen Quellen von Bormio zu bieten. Dort fand man ein Fragment eines Steinreliefs, das eine überlebensgroße Götterfigur mit einem Hörnerhelm, einem Schild und Standarte zeigt. Ihr nähert sich ein Mann mit kurzem Rock und einem Messer am Gürtel, welcher ein Horn bläst. Auch er scheint eine Lanze zu halten, mit einem daran befestigten Schild, vielleicht eine Weihegabe an den Gott. Der Steinfries wurde auf das 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr., also die Eisenzeit, datiert.

Zur Zeit der Römer führte ein Saumweg über den Pass, der eine gewisse Bedeutung hatte, da er einen schnellen Zugang und Flankenschutz für die über den Reschenpass führende Via Claudia Augusta bot.

Text: Werner Feichtlbauer

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