Zettelwirtschaft

Es war eine sehr schöne und auch sehr angeregte Diskussion zu spannenden Themen rund um Gleichmäßigkeitsrallyes. Unter anderem war Schnittfahren ein heiß diskutiertes Thema. Für diejenigen Leser:innen, die mit dem Begriff wenig oder nichts anfangen können – Schnittfahren ist eine der möglichen Disziplin bei Gleichmäßigkeitsrallyes, bei der es darum geht eine längere Strecke von meist mehreren Kilometern möglichst exakt mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit zwischen 30 und 50 km/h zu fahren. Die Messpunkte in so einer Prüfung sind nicht bekannt, somit muss man möglichst immer auf der Geschwindigkeit zu sein.

Nur mit Tacho ist das schwer zu lösen, darum fahren wir ein System mit Wegstreckenzähler, Schnitttabellen auf Papier und Handstoppen alle 100m. An Hand der Zeit für diese 100m weiß man, ob man zu schnell oder zu langsam ist und kann auch sehr genau sagen um wie viel. Hört sich mühsam an und ist es manchmal auch. Trotzdem macht es uns Spaß, weil es auch eine schöne Herausforderung ist.

Eine spezielle Herausforderung ist es zum Beispiel, wenn in so einer Prüfung ein paar Mal abgebogen werden muss. Diese Navigation hat nicht nur Einfluss auch die Geschwindigkeit, sondern auch darauf, dass man sich verfahren könnte und dann werden die Probleme plötzlich sehr groß.

Es gibt unterschiedlichste System, wie man das alles in Griff haben kann. Manche führen zum Erfolg, andere nicht. Ich denke, dass wir einen Weg gefunden haben, der uns zumindest praktisch immer auf dem richtigen Weg bleiben lässt und das ist schon mehr als die halbe Miete. Unser Grundsatz – egal in welcher Fahrer/Beifahrer-Kombination – ist, dass Weg vor Zeit geht. Lieber 1 Sekunde falsch, als einmal falsch abbiegen.

Gut vorbereitet

Sehr wichtig ist es die Stoppuhr zum richtigen Zeitpunkt zu starten. Je nachdem, ob der Start der Prüfung zu einer exakten Tageszeit stattfindet oder mit einem sogenannten „Offenen Fenster“ gefahren wird, sind unterschiedliche Punkte wichtig. Bei dem Start nach Tageszeit muss man die Stoppuhr unbedingt zum exakten Zeitpunkt starte, egal wo man sich grad befindet! Was soll das heißen? Wir sollten doch am Start stehen!!! Ja, sollte man, wenn man sich aber zum Beispiel vorher verfahren hat, könnte man etwas zu spät dran sein – dann ist es unheimlich wichtig die Uhr zur perfekten Zeit zu starten, auch wenn man noch nicht am Startpunkt ist. Denn Wegstreckenzähler starten man in jedem Fall möglichst genau am Ort des Starts, weil das der Referenzpunkt für die folgenden Messsstellen ist – darum sollte die Wegstrecke unbedingt genau passen.

Ist es eine Prüfung mit offenem Fenster – das heißt, dass man zu jeder Zeit in die Prüfung starten kann, dann Uhr und Wegstreckenzähler genau beim Überfahren der Startlinie starten – beides unbedingt zum möglichst gleichen Zeitpunkt!

Damit sind wir auch schon mitten in der Prüfung. Die Aufgabe des Fahrers ist es nach erreichen der Geschwindigkeit diese möglichst genau zu halten, egal was da kommen sollte – Kehren, Abbiegereien, …
Die Aufgabe des Beifahrers ist es dem Fahrer möglichst oft zu sagen, ob die Geschwindigkeit passt oder nicht. Die macht man mit Hilfe des Wegstreckenzählers, der Schnitttabelle und der Stoppuhr. Möglichst oft – eine gutes Intervall ist 100m – wird dir Zwischenzeit gestoppt und mit dem Eintrag in der Schnitttabelle verglichen. Ist die Zeit kleiner als die Vorgabe, sind wir zu schnell, ist die Zeit größer, sind wir zu langsam, sind Vorgabe und Zwischenzeit gleich, dann sind wir perfekt drauf. Dies ist eine permanentes Kopfrechnen im fahrenden und wackelnden Auto, bei sich ständig verändernden Lichtverhältnisse und scharfe Kurven sind manchmal das Salz in der Suppe. damit nicht genug, muss man hin und wieder abbiegen und keinen der Navigationspunkte verpassen. Sich zu verfahren sollte keine Option sein!

Wie machen das seit Jahren mit folgendem System.

Die meisten Wegstreckenzähler haben 2 Zählwerke. Eines läuft bei uns immer vom Start bis zum Ziel der Etappe – am Elektromechanischen Zähler das linke Zählwerk, am mechanischen Zähler in der Corvette ist es das obere Laufwerk. Davon lassen wir bewusst die Finger – dieser Zähler hilft uns über die ganze Etappe!

Der ODO Klassik

Das andere Laufwerk ist das „Spielzeug“ des Beifahrers. Bei der Navigation ohne Prüfung setze ich das Zählwerk bei jedem Wegpunkt laut Roadbook auf Null. Der Grund dafür – auch bei bester Kalibration läuft der Wegstreckenzähler nicht exakt so, wie der des Veranstalters, der die Strecke vermessen hat. Das Ergebnis hängt von vielen Faktoren ab – zum Beispiel Fahrlinie, Reifendruck, Temperatur, Fahrbahnbeschaffenheit, …
Dieser „Fehler“ kann sich über die Kilometer ganz schön summieren. Auf kürzeren Strecken ist die Abweichung aber relativ gering und die Navigation wird dadurch genauer.

In einer Schnittprüfung läuft dieses Zählwerk vom Start bis zum Ende der Prüfung, weil wir hier sehr genau wissen müssen, wo wir uns innerhalb der Prüfung befinden. Den Zähler bei jedem Wegpunkt zu Nullen ist in der Prüfung für mich nicht möglich. Dazu ist einfach zu viel zu tun und der Fahrer greift mit gefälligst nicht unaufgefordert in die Maschine!

Wie schaffen wir dann eine fehlerfreie Navigation? Mit einem System mit „Sicherheitsgurt“.

Ich klebe mir an die richtigen Stellen auf der Schnitttabelle einen kleinen Klebezettel mit dem Chinesenzeichen aus dem Roadbook. Das gibt mir die Möglichkeit meinem Fahren trotz des Stresse vor einem Naviagtionspunkt sagen zu können, dass in Kürze etwas zu tun ist. Auf dem Zettel steht die Entfernung vom Start der Prüfung, das Symbol und auch der Schnitt mit dem zu fahren ist. Gar diese Information kann nichts schaden – es soll schon vorgekommen sein, dass wir mit einer falschen Schnitttabelle gestartet sind, aber dank es Hinweises auf dem Zetterl noch rechtzeitig drauf gekommen und kein Fehler draus wurde.

 

Am Start der Prüfung

Auf diesem Bild sieht man sehr schön meine Vorbereitung – viele Klebezettel mit den nötigsten Informationen direkt auf der Schnitttabelle. Immer nur 1 Zettel pro Wegpunkt. Nachdem wir den Punkt passiert haben „rupfe“ ich den Zettel von der Tabelle und er kann nicht mehr zur Verwirrung beitragen.

Der Fahrer hat ebenfalls seine Klebezettel mit den Navigationspunkte. Diese kleben auf dem Armaturenbrett in seinem Sichtbereich. Hier ist das Symbol und der Kilometerstand ab Etappenstart zu sehen.

Klebezettel für Fahrer und Beifahrer

Wir haben also unterschiedliche Zettel – meine sind ganz klein, seine recht groß – mit unterschiedlichem Inhalt und schauen auf unterschiedliche Anzeigen am Wegstreckenzähler.

Damit wissen wir beide, wo abzubiegen ist und kontrollieren und auch gleichzeitig gegenseitig. Auch Übertragungsfehler aus dem Raodbook können wir „im Flug“ entdecken und rechtzeitig drauf reagieren. Seit wir dieses System fahren, haben wir uns nie wieder essentiell in einer Schnittprüfung verfahren! Das Schlimmste war, dass wir an einem Punkt vorbeigerauscht sind, aber sofort drauf gekommen sind und nicht Böses passiert ist.

Funktioniert auch im MX-5

Dieser Weg ist sicher nicht der einzig Richtige, aber er funktioniert für mich seit Jahren und auch mit unterschiedlichen Fahrern. Kurz Absprache vor der Rallye und los geht’s.

Damit sind gleich zum nächsten wichtigen dazugehörenden Themenbereich – die Vorbereitung. Wie erarbeiten uns das Roadbook möglichst miteinander. Ich arbeite es meist einmal für mich durch, aber da geht es mehr um Zeitkontrollen und Vorbereitung der Timingprüfungen. Dann arbeiten wir gemeinsam und bereiten die Klebezettel für die Prüfungen vor – jeder für sich! Das vermeidet Abschreibefehler!

Noch ein Wort – ich starte normalerweise 2 Uhren am Start eine langen Prüfung. Es soll schon vorgekommen sein, dass man mitten in der Prüfung eine Uhr abstellt, dass eine Uhr einfach den Geist aufgibt, man den Startknopf nicht perfekt drückt und die Uhr nicht startet oder auch, dass die Uhr vorher nicht auf Null gesetzt war, noch immer gelaufen ist und am Start dann perfekt abgeschaltet wurde. In all diesen Fällen, die wirklich schon vorkamen, ist eine zweite Uhr das Sicherheitsnetz.

Und am Ende – liegen alle Zettel im Fußraum oder im Handschuhfach 🙂

Das Ende aller Klebezettel

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