Das Pordoijoch (ital. Passo Pordoi; fassanisch-ladinisch Jouf de Pordoi, buchensteinisch-ladinisch Jou de Pordou) ist mit einer Scheitelhöhe von 2.239 m s.l.m. der zweithöchste mit einer durchgehend asphaltierten Straße versehene Gebirgspass in den Dolomiten Italiens. Es verbindet Canazei im Fassatal (ital. Val di Fassa, fassanisch-ladinisch Fascia), Provinz Trentino mit dem Tal von Buchenstein (Ortsteil Arabba) / Venetien.

Die Geschichte des Pordoijochs beginnt mit dem Bau der Großen Dolomitenstraße, die in diesem Streckenabschnitt 1901 begonnen wurde und 1905 vollendet war. Das Hotel Savoia und das Hotel Pordoi, in denen teilweise noch die originären Jugendstil-Fresken erhalten sind, waren die ersten Hotels auf dem Pass. Davor bestand seit 1902 bereits eine Unterkunftshütte der DuÖAV Sektion Meran, gebaut und geleitet von Maria Dezulian, einer Schwester der Bergsteiger-Legende Tita Piaz.

Diese erste Phase der Entwicklung des Tourismus, an die ein Gedenkstein mit den technischen Daten der Großen Dolomitenstraße erinnert, wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, als das Gelände östlich des Pordoijochs unmittelbar zum Kampfgebiet wurde. Bei Arabba stand die deutsch-österreichische Front; die Italiener sprengten in der Nacht vom 17. auf den 18. April 1916 den Col di Lana, den die Österreicher daraufhin als Verteidigungsstellung aufgeben mussten. Dennoch kam es nicht zu einem italienischen Durchbruch.

Vom Pass aus zu Fuß erreichbar ist eine Gedächtnisstätte mit Soldatenfriedhof, auf dem 8582 deutsche und österreichische Gefallene des Ersten und 847 Gefallene des Zweiten Weltkriegs bestattet sind.

In den 1950er Jahren erlebte die Region nach dem Zweiten Weltkrieg, der im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf dem Pordoipass keine großen Schäden hinterließ, einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung. 1962 errichtete Maria Dezulian, genannt „Mare del Pordoi“, zusammen mit ihrem Sohn Francesco die Seilbahn zum Sass Pordoi, eine der ersten in den Dolomiten und ohne Zwischenstütze zwischen Tal- und Bergstation. Es folgte die Anlage weiterer Lifte, Wanderwege und Klettersteige in der Sella. Die während des Krieges mit deutschen Luftnachrichtentruppen der Wehrmacht und italienischen Wachmannschaften besetzten Hotels wurden wiedereröffnet, weitere Unterkünfte, Restaurationsbetriebe und Souvenirgeschäfte hinzugefügt. Im Sommer bauen zudem Händler aus der Region auf den Parkplätzen entlang der Passstraße ihre Verkaufsstände auf. Der Pordoipass ist der höchstgelegene der Dolomitenstraße und bietet vor allem mit seinem weiten Blickfeld nach Osten ein atemberaubendes Dolomitenpanorama.

Passo Pordoi

Passo Pordoi

Das Pordoijoch ist umgeben vom 3.181 m hohen Langkofel (im Nordwesten), den zum Sella-Massiv gehörenden Plateaufelsen Sass Pordoi (2.950 m), Sass de Forca (2.917 m) und der höchsten Felsspitze Piz Boè (3.152 m) im Norden, sowie dem nördlichen Vorkamm der Marmolata-Gruppe im Süden, zu dem Belvedere (2.510 m) und Porta Vescovo (2.562 m) gehören. Dieser Vorkamm verdeckt die Aussicht auf die Marmolata, die erst von der Kammhöhe aus zu sehen ist.

Südöstlich des Pordoijochs auf venetischer Seite entspringt der Fluss Cordevole, der das Buchensteintal durchfließt und 70 Kilometer weiter südlich in den Piave mündet; er ist der größte rechte Nebenfluss des Piave. Die Aussicht nach Osten reicht über Arabba hinweg auf die Fanes-Gruppe und Le Tofane.

Route und Text: Georg Bauer

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